SOS Pflanzen · Pflege
Wie vermehrt man eine Zimmerpflanze
durch Stecklinge? Die Schritt-für-Schritt-Anleitung
Stecklinge zu ziehen bedeutet, Pflanzen kostenlos aus einem Teil einer Mutterpflanze zu vermehren. Dies ist eine der befriedigendsten Praktiken der Zimmerpflanzenpflege – und eine der zugänglichsten. Eine Efeutute, ein Philodendron, eine Hoya oder ein Tradescantia kann aus einem einzigen Steckling Dutzende neuer Pflanzen hervorbringen. Wenn Sie zwei oder drei Techniken beherrschen, müssen Sie nie wieder dieselben Pflanzen kaufen.
In diesem Leitfaden werden die drei Hauptmethoden – Stecklinge in Wasser, in Substrat und durch Teilung – mit genauen Schritten, zu vermeidenden Fehlern und den Pflanzen, die am besten darauf ansprechen, behandelt.

Die Grundprinzipien
Bevor Sie Stecklinge ziehen, drei Regeln, die für alle Methoden gelten, die Sie beachten sollten.
"Stecklinge ziehen bedeutet, jedem Stamm, den Sie beschneiden,
ein zweites Leben zu schenken."
Methode 1 — Stecklinge in Wasser
Die einfachste und anschaulichste Methode – man sieht die Wurzeln direkt im Glas wachsen. Perfekt für Anfänger und alle Pflanzen mit weichen Stielen.
Stecklinge in Wasser – Schritte
Ideal für: Efeutute, Tradescantia, Philodendron, Hoya, Fleißiges Lieschen, Begonie
- Schneiden Sie einen 10 bis 15 cm langen Stiel mit mindestens 2 Knoten ab. Schneiden Sie direkt unterhalb eines Knotens mit einem desinfizierten Werkzeug.
- Entfernen Sie alle unteren Blätter – nur die Blätter oberhalb des Wassers sollten bleiben. Untergetauchte Blätter verrotten und verunreinigen das Wasser.
- Legen Sie den Steckling in ein Glas oder eine Vase mit zimmerwarmem Wasser. Der oder die unteren Knoten müssen untergetaucht sein, die Blätter oberhalb des Wassers.
- Stellen Sie den Steckling an einen hellen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung. Wechseln Sie das Wasser wöchentlich, um Stagnation und Bakterien zu vermeiden.
- Die ersten Wurzeln erscheinen je nach Art und Jahreszeit in 1 bis 4 Wochen.
- Wenn die Wurzeln 3 bis 5 cm lang sind, pflanzen Sie sie in ein leichtes, feuchtes Substrat um.

Methode 2 — Stecklinge in Substrat
Schneller zu akklimatisieren als Wasserstecklinge (kein Schock beim Übergang Wasser → Erde), bringt diese Methode letztendlich kräftigere Pflanzen hervor. Sie erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit, um das Substrat feucht zu halten, ohne es zu durchnässen.
Stecklinge in Substrat — Schritte
Ideal für: Monstera, Ficus, Dracaena, Sansevieria, Kakteen, Sukkulenten, Ficus elastica
- Schneiden Sie einen 10 bis 15 cm langen Stiel mit 1 bis 2 Knoten ab. Bei Pflanzen mit Latex (Ficus, Euphorbia) lassen Sie die Schnittstelle 30 Minuten an der Luft trocknen, bevor Sie pflanzen – der Latex würde sonst die Wurzelbildung blockieren.
- Entfernen Sie die unteren Blätter, sodass nur 1 bis 2 Blätter oben bleiben.
- Bereiten Sie einen kleinen Topf mit einem leichten und gut durchlässigen Substrat vor – Kokoserde + Perlit funktioniert sehr gut. Befeuchten Sie es leicht, bevor Sie den Steckling einsetzen.
- Machen Sie mit einem Bleistift oder Stäbchen ein Loch in das Substrat, setzen Sie den Steckling bis zum Knoten ein und drücken Sie das Substrat leicht an.
- Decken Sie den Topf möglichst mit einem transparenten Plastiksack ab oder stellen Sie ihn unter ein Mini-Gewächshaus, um die Feuchtigkeit zu erhalten. Lüften Sie täglich 10 Minuten lang.
- Stellen Sie den Topf an einen hellen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung. Überprüfen Sie die Feuchtigkeit des Substrats alle 2-3 Tage – es sollte leicht feucht bleiben.
- Ziehen Sie nach 3-4 Wochen sehr vorsichtig am Steckling: Wenn er widersteht, haben sich Wurzeln gebildet.
Methode 3 — Teilung des Horstes
Die Teilung besteht darin, eine Pflanze physisch in mehrere Teile zu trennen, wobei jeder Teil seine eigenen Wurzeln hat. Dies ist die schnellste Methode – die neuen Pflanzen sind von Anfang an bereits bewurzelt.
Teilung – Schritte
Ideal für: Calathea, Farne, Spargel, Grünlilie, Zamioculcas, Orchideen (Keikis)
- Nehmen Sie die Mutterpflanze aus dem Topf und schütteln Sie das Substrat vorsichtig von den Wurzeln, um den gesamten Wurzelballen zu sehen.
- Identifizieren Sie die natürlichen Teile – die meisten horstbildenden Pflanzen teilen sich ziemlich natürlich in einzelne Abschnitte mit eigenen Wurzeln.
- Trennen Sie die Teile vorsichtig von Hand. Wenn der Horst sehr dicht ist, verwenden Sie ein desinfiziertes Messer, um sauber zu schneiden. Reißen Sie nicht – ein sauberer Schnitt heilt besser.
- Jeder Abschnitt sollte mindestens 2 bis 3 Triebe und ein ausreichendes Wurzelsystem haben, um sich selbst zu ernähren.
- Topfen Sie jeden Abschnitt sofort in frisches Substrat um. Mäßig gießen und an einen hellen Ort stellen.
⚠ Teilung – nicht zu klein schneiden
Ein zu kleiner Abschnitt mit wenigen Wurzeln wird sich vom Stress der Teilung nur schwer erholen. Es ist besser, zwei schöne Abschnitte zu erhalten als vier kleine, zerbrechliche. Jeder Teil muss genügend Wurzeln haben, um unmittelbar nach dem Umtopfen Wasser aufzunehmen.
Tabelle — welche Methode für welche Pflanze?
| Pflanze | Empfohlene Methode | Schwierigkeitsgrad | Dauer |
|---|---|---|---|
| Efeutute, Tradescantia | Wasser | Sehr einfach | 1-2 Wochen |
| Philodendron | Wasser oder Substrat | Einfach | 2-3 Wochen |
| Hoya | Wasser oder Substrat | Mittel | 3-6 Wochen |
| Monstera | Substrat | Mittel | 4-8 Wochen |
| Ficus, Dracaena | Substrat | Mittel | 4-8 Wochen |
| Kakteen & Sukkulenten | Trockenes Substrat | Einfach | 3-6 Wochen |
| Calathea, Farn | Teilung | Einfach | 1-2 Wochen |
| Grünlilie | Wasser oder Teilung | Sehr einfach | 1-2 Wochen |
| Zamioculcas | Teilung oder Blätter | Mittel — langsam | 2-6 Monate |
| Sansevieria | Blatt in Substrat | Einfach | 1-3 Monate |
| Begonie | Wasser oder Blatt | Einfach | 2-4 Wochen |
Woran erkenne ich, ob der Steckling erfolgreich war?
Geduld ist die wichtigste Eigenschaft, die man beim Bewurzeln von Stecklingen benötigt. Hier sind die Anzeichen, die bestätigen, dass es funktioniert.
Fehler, die es zu vermeiden gilt
❌ Zu kurz schneiden – ohne Knoten
Ein Steckling ohne Knoten kann keine Wurzeln schlagen. Die Wurzeln bilden sich immer an den Knoten – niemals aus einem Stielabschnitt zwischen zwei Knoten. Überprüfen Sie immer, ob mindestens ein Knoten am Steckling vorhanden ist.
❌ Blätter im Wasser lassen
Untergetauchte Blätter verrotten innerhalb weniger Tage und verunreinigen das gesamte Wasser – der Steckling stirbt, bevor er Wurzeln schlagen kann. Entfernen Sie systematisch alle Blätter, die mit dem Wasser in Berührung kommen würden.
❌ Zu frühes Umpflanzen ins Substrat
Ein Wassersteckling mit weniger als 2 cm langen Wurzeln hat Schwierigkeiten, den Übergang in die Erde zu überleben. Warten Sie, bis die Wurzeln mindestens 3 bis 5 cm lang und gut verzweigt sind, bevor Sie umpflanzen.
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