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SOS Pflanzen · Pflege

Wie vermehrt man eine Zimmerpflanze
durch Stecklinge? Die Schritt-für-Schritt-Anleitung

8 Min. Lesezeit · Aktualisiert Juni 2025

🌱ThemaVermehrung
✂️NiveauAnfänger bis Fortgeschrittene
⏱️Lesezeit8 Minuten

Stecklinge zu ziehen bedeutet, Pflanzen kostenlos aus einem Teil einer Mutterpflanze zu vermehren. Dies ist eine der befriedigendsten Praktiken der Zimmerpflanzenpflege – und eine der zugänglichsten. Eine Efeutute, ein Philodendron, eine Hoya oder ein Tradescantia kann aus einem einzigen Steckling Dutzende neuer Pflanzen hervorbringen. Wenn Sie zwei oder drei Techniken beherrschen, müssen Sie nie wieder dieselben Pflanzen kaufen.

In diesem Leitfaden werden die drei Hauptmethoden – Stecklinge in Wasser, in Substrat und durch Teilung – mit genauen Schritten, zu vermeidenden Fehlern und den Pflanzen, die am besten darauf ansprechen, behandelt.

Die Grundprinzipien

Bevor Sie Stecklinge ziehen, drei Regeln, die für alle Methoden gelten, die Sie beachten sollten.

✂️
Immer oberhalb eines Knotens schneiden. Der Knoten ist die Stelle am Stiel, an der ein Blatt befestigt ist. Von hier aus entstehen neue Wurzeln und Triebe. Ein Schnitt zwischen zwei Knoten ergibt einen sterilen Steckling.
🔪
Sauberes und desinfiziertes Werkzeug. Tauchen Sie die Klinge vor jedem Schnitt in 70%igen Alkohol. Ein nicht desinfiziertes Werkzeug kann Pilze oder Bakterien einschleppen, die den Steckling abtöten, bevor er Wurzeln schlagen kann.
📅
Frühling = ideale Zeit. Stecklinge, die zwischen März und Juni geschnitten werden, haben die besten Erfolgschancen – die Pflanze wächst stark und bildet schnell Wurzeln. Im Herbst und Winter brauchen Stecklinge viel länger und können scheitern.

"Stecklinge ziehen bedeutet, jedem Stamm, den Sie beschneiden,
ein zweites Leben zu schenken."

Methode 1 — Stecklinge in Wasser

Die einfachste und anschaulichste Methode – man sieht die Wurzeln direkt im Glas wachsen. Perfekt für Anfänger und alle Pflanzen mit weichen Stielen.

💧

Stecklinge in Wasser – Schritte

Ideal für: Efeutute, Tradescantia, Philodendron, Hoya, Fleißiges Lieschen, Begonie

  1. Schneiden Sie einen 10 bis 15 cm langen Stiel mit mindestens 2 Knoten ab. Schneiden Sie direkt unterhalb eines Knotens mit einem desinfizierten Werkzeug.
  2. Entfernen Sie alle unteren Blätter – nur die Blätter oberhalb des Wassers sollten bleiben. Untergetauchte Blätter verrotten und verunreinigen das Wasser.
  3. Legen Sie den Steckling in ein Glas oder eine Vase mit zimmerwarmem Wasser. Der oder die unteren Knoten müssen untergetaucht sein, die Blätter oberhalb des Wassers.
  4. Stellen Sie den Steckling an einen hellen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung. Wechseln Sie das Wasser wöchentlich, um Stagnation und Bakterien zu vermeiden.
  5. Die ersten Wurzeln erscheinen je nach Art und Jahreszeit in 1 bis 4 Wochen.
  6. Wenn die Wurzeln 3 bis 5 cm lang sind, pflanzen Sie sie in ein leichtes, feuchtes Substrat um.
⏱️ Wurzeln sichtbar in 1 bis 4 Wochen
✔ Tipp: transparentes Glas Verwenden Sie ein transparentes Glas oder eine Vase, um die Wurzeln zu beobachten, ohne den Steckling herausnehmen zu müssen. Dies ist auch der beste Weg, das Wasser zu überwachen und mögliche Fäulnis zu erkennen. Ein dunkles Glas kann die Wurzelbildung bei einigen Arten verlangsamen.

Methode 2 — Stecklinge in Substrat

Schneller zu akklimatisieren als Wasserstecklinge (kein Schock beim Übergang Wasser → Erde), bringt diese Methode letztendlich kräftigere Pflanzen hervor. Sie erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit, um das Substrat feucht zu halten, ohne es zu durchnässen.

🌱

Stecklinge in Substrat — Schritte

Ideal für: Monstera, Ficus, Dracaena, Sansevieria, Kakteen, Sukkulenten, Ficus elastica

  1. Schneiden Sie einen 10 bis 15 cm langen Stiel mit 1 bis 2 Knoten ab. Bei Pflanzen mit Latex (Ficus, Euphorbia) lassen Sie die Schnittstelle 30 Minuten an der Luft trocknen, bevor Sie pflanzen – der Latex würde sonst die Wurzelbildung blockieren.
  2. Entfernen Sie die unteren Blätter, sodass nur 1 bis 2 Blätter oben bleiben.
  3. Bereiten Sie einen kleinen Topf mit einem leichten und gut durchlässigen Substrat vor – Kokoserde + Perlit funktioniert sehr gut. Befeuchten Sie es leicht, bevor Sie den Steckling einsetzen.
  4. Machen Sie mit einem Bleistift oder Stäbchen ein Loch in das Substrat, setzen Sie den Steckling bis zum Knoten ein und drücken Sie das Substrat leicht an.
  5. Decken Sie den Topf möglichst mit einem transparenten Plastiksack ab oder stellen Sie ihn unter ein Mini-Gewächshaus, um die Feuchtigkeit zu erhalten. Lüften Sie täglich 10 Minuten lang.
  6. Stellen Sie den Topf an einen hellen Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung. Überprüfen Sie die Feuchtigkeit des Substrats alle 2-3 Tage – es sollte leicht feucht bleiben.
  7. Ziehen Sie nach 3-4 Wochen sehr vorsichtig am Steckling: Wenn er widersteht, haben sich Wurzeln gebildet.
⏱️ Bewurzelung in 3 bis 6 Wochen

Methode 3 — Teilung des Horstes

Die Teilung besteht darin, eine Pflanze physisch in mehrere Teile zu trennen, wobei jeder Teil seine eigenen Wurzeln hat. Dies ist die schnellste Methode – die neuen Pflanzen sind von Anfang an bereits bewurzelt.

🪴

Teilung – Schritte

Ideal für: Calathea, Farne, Spargel, Grünlilie, Zamioculcas, Orchideen (Keikis)

  1. Nehmen Sie die Mutterpflanze aus dem Topf und schütteln Sie das Substrat vorsichtig von den Wurzeln, um den gesamten Wurzelballen zu sehen.
  2. Identifizieren Sie die natürlichen Teile – die meisten horstbildenden Pflanzen teilen sich ziemlich natürlich in einzelne Abschnitte mit eigenen Wurzeln.
  3. Trennen Sie die Teile vorsichtig von Hand. Wenn der Horst sehr dicht ist, verwenden Sie ein desinfiziertes Messer, um sauber zu schneiden. Reißen Sie nicht – ein sauberer Schnitt heilt besser.
  4. Jeder Abschnitt sollte mindestens 2 bis 3 Triebe und ein ausreichendes Wurzelsystem haben, um sich selbst zu ernähren.
  5. Topfen Sie jeden Abschnitt sofort in frisches Substrat um. Mäßig gießen und an einen hellen Ort stellen.
⏱️ Erholung in 1 bis 3 Wochen

⚠ Teilung – nicht zu klein schneiden

Ein zu kleiner Abschnitt mit wenigen Wurzeln wird sich vom Stress der Teilung nur schwer erholen. Es ist besser, zwei schöne Abschnitte zu erhalten als vier kleine, zerbrechliche. Jeder Teil muss genügend Wurzeln haben, um unmittelbar nach dem Umtopfen Wasser aufzunehmen.

Tabelle — welche Methode für welche Pflanze?

Pflanze Empfohlene Methode Schwierigkeitsgrad Dauer
Efeutute, Tradescantia Wasser Sehr einfach 1-2 Wochen
Philodendron Wasser oder Substrat Einfach 2-3 Wochen
Hoya Wasser oder Substrat Mittel 3-6 Wochen
Monstera Substrat Mittel 4-8 Wochen
Ficus, Dracaena Substrat Mittel 4-8 Wochen
Kakteen & Sukkulenten Trockenes Substrat Einfach 3-6 Wochen
Calathea, Farn Teilung Einfach 1-2 Wochen
Grünlilie Wasser oder Teilung Sehr einfach 1-2 Wochen
Zamioculcas Teilung oder Blätter Mittel — langsam 2-6 Monate
Sansevieria Blatt in Substrat Einfach 1-3 Monate
Begonie Wasser oder Blatt Einfach 2-4 Wochen

Woran erkenne ich, ob der Steckling erfolgreich war?

Geduld ist die wichtigste Eigenschaft, die man beim Bewurzeln von Stecklingen benötigt. Hier sind die Anzeichen, die bestätigen, dass es funktioniert.

Im Wasser: Weiße feine Wurzeln erscheinen an den Knoten. Sie sind dünn, weiß und werden allmählich länger. Sobald sie 3-5 cm erreichen, umtopfen.
Im Substrat: Ziehen Sie nach 4 Wochen sehr vorsichtig am Stiel. Wenn er leicht Widerstand leistet, haben sich Wurzeln gebildet. Wenn er leicht herauskommt, warten Sie noch 1-2 Wochen.
Universelles Zeichen: Ein neues Blatt, das sich zu bilden beginnt, ist das zuverlässigste Signal. Eine Pflanze, die neue Blätter produziert, hat zwangsläufig funktionierende Wurzeln entwickelt.
Zeichen des Scheiterns: Der Stiel verfärbt sich schwarz oder wird an der Basis weich – Fäulnis. Der Steckling ist verloren. Nehmen Sie einen neuen Steckling und achten Sie darauf, das Werkzeug gut zu desinfizieren.

Fehler, die es zu vermeiden gilt

❌ Zu kurz schneiden – ohne Knoten

Ein Steckling ohne Knoten kann keine Wurzeln schlagen. Die Wurzeln bilden sich immer an den Knoten – niemals aus einem Stielabschnitt zwischen zwei Knoten. Überprüfen Sie immer, ob mindestens ein Knoten am Steckling vorhanden ist.

❌ Blätter im Wasser lassen

Untergetauchte Blätter verrotten innerhalb weniger Tage und verunreinigen das gesamte Wasser – der Steckling stirbt, bevor er Wurzeln schlagen kann. Entfernen Sie systematisch alle Blätter, die mit dem Wasser in Berührung kommen würden.

❌ Zu frühes Umpflanzen ins Substrat

Ein Wassersteckling mit weniger als 2 cm langen Wurzeln hat Schwierigkeiten, den Übergang in die Erde zu überleben. Warten Sie, bis die Wurzeln mindestens 3 bis 5 cm lang und gut verzweigt sind, bevor Sie umpflanzen.

✔ Der beste Rat Nehmen Sie immer mehrere Stecklinge gleichzeitig – möglichst 3 bis 5. Die Erfolgsquote liegt selten bei 100%, und mehrere gleichzeitige Versuche maximieren Ihre Chancen, mindestens eine schöne Pflanze zu erhalten.

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